A.N.C. PROJECTS



Ausstellungeröffnung: Samstag, 23. November 2013, 20 Uhr
Ort: Kreuzberg Pavillon, Naunynstrasse 53, 10999 Berlin

Gruppenausstellung:
Rosa Lübbe / Florian Schramm / Franziska Beilfuss / Jens Klein / Markus Draper


In der Zeit der Be- und Überwachung, nicht in einer Diktatur lebend, sondern in einem demokratischen Rechtsstaat, ist zunehmend die Frage, was Demokratie heisst - war sie einst als die Freiheit des anders Denkenden definiert. In der heutigen Zeit, im Netz oder in einer Stadt wie Berlin sind unsere Informationen gespeichert und abrufbar - nach langem Zeitraum wieder von einem Datenträger gelöscht.
Während der Staat immer mehr in Überwachung durch Kamerasysteme seiner Bürger investiert und der Schutz des privaten Eigentums immer weiter greifende Ausmaße annimmt, geben wir freiwillig, öffentlich zugänglich, immer mehr über unser Leben preis. Gegenüber der entstehenden Zentrale des Bundesnachrichtendienstes befindet sich ein Berliner Wohnhaus, das schon zu DDR-Zeiten errrichtet wurde. Rosa Lübbe porträtiert in ihrem Film Die beste Lage (2012) die Bewohner des Hauses. Mehrere Generationen geben ihre persönlichen Erinnerungen an ein bewegtes Stück Land, das sie direkt von ihren Balkonen aus beobachten konnten, preis. Jede einzelne Erinnerung ist ebenso Teil unseres kollektiven Gedächtnis.

Vergleichbar installierten Überwachungskameras an Gebäuden beobachtet Florian Schramm mit seiner Kamera das Wachpersonal in den Säalen der Museen - im Artikum in Finnland, im Guggenheim in Bilbao, im Hamburger Bahnhof in Berlin, im Kunsthistorischen Museum in Wien, im Modern Instanbul, im Pushkin Museum in Moskau - Schramm agiert als Beobachtender der Beobachteten.

Die Fotografien der Bildserie Hundewege, Index eines konspirativen Alltag von Jens Klein zeigen vermutete Regimefeinde, die beim Einwerfen von Briefen oder beim Ausführen der Hunde observiert wurden. Schnappschußartig, doch mit einem Teleobjektiv aufgenommen, sind sie unscharf und verwackelt - für Jens Klein ist dieses Archivmaterial ein Zeitdokument und eine Erinnerung an einen konspirativen Alltag.

Die Zeichnungen von Franziska Beilfuss gehen poetisch und erzählerisch mit der Thematik der Bewachung um. In fernöstlichen Regionen beobachtete sie Menschen, deren Umgang miteinander und in der Gesellschaft, lebte in unterschiedlichen Familien und ist im kontinuierlichen Austausch mit ihnen. Was Öffentlichkeit, Privatheit und Freiheit in anderen Kulturen und Staatssystemen bedeutet, steht im Mittelpunkt Beilfuss künstlerischer Betrachtung.

In and out of Rosenheim (2012) von Markus Draper beschäftigt sich mit Horst Herold, der von 1972 bis 1981 Präsident des Bundeskriminalamtes war. Bis heute ist seine Person umstritten - als erklärter Marxist den Konservativen zu links, verkörpert er für die Linksliberalen das Schreckgespenst des Überwachungsstaates. Auf einem Modell der Bundesgrenzschutz-Kaserne Rosenheim - dem Ort, wo Herold noch heute lebt - setzt Draper die konträre Biographie Herolds „in Szene”.


Mit freundlicher Unterstützung der Rosa Luxemburg Stiftung.


english


Invitation
Saturday, November, 23rd, 2013, 8 pm

ICH BEOBACHTE DICH

Rosa Lübbe / Florian Schramm / Franziska Beilfuss / Jens Klein / Markus Draper


In front of the newly built headquarter of the german
secret service Bundesnachrichtendienst (BND) lies an
Berlin apartment building, that has been erected in the
GDR era. In her film Die beste Lage (The best
location)
Rosa Lübbe portrays the inhabitants of the
house. Several generations are telling personal
memories about a moving piece of land, they could
directly observe from their balconies. In this way,
every single memory sinks into our collective memory.


Comparable to surveillance cameras that has been
installed in public spaces, Florian Schramm observes
with his camera the guards in museum halls - at the
Artikum in Finland, at the Guggenheim in Bilbao,
at the Hamburger Bahnhof in Berlin, at the art-history
museum in vienna, at the Modern Istanbul and at the
Pushkin Museum in Moscow - The artist acts here as an
observer of observed.

The photographs of the picture series Hundewege,
Index eines konspirativen Alltags (2012) (Dog-walks,
Index of an conspiratorial daily life)
by Jens Klein show
suspected public enemies, that has been observed
during posting a letter or walking the dog.
Like a snapshot, but taken with a telephoto lens they
are fuzzy and blurred - this archive material is a
contemporary document for Jens Klein and memory of
an conspiratorial daily life.

The installation In and out of Rosenheim (2012) by
Markus Draper follows up Horst Herold, who has been
president of the Federal Criminal Police (the german
Bundeskriminalamt BKA) from 1972 to 1981. To this
day his person is controversial - as a declared marxist,
for the conservatives too left-wing, he embodies for the
left liberal the ‘nightmare’ of the police state. With a
model of the german Federal Border Police barrack
Rosenheim - the place where Herold lives until this day,
Draper puts the contrary biography of Herold ‘in the
limelight’.

The drawings by Franziska Beilfuss deals poetic and
narrative with the topic of surveillance. In far-east
regions, she observed peoples┬┤behavior to each other
and towards society, lived in different families and is
continuosly exchange with them. What general public,
privacy and freedom means in different cultures and
political systems, is in the focus of her artistically
observation.

Curated by Anne Naundorf
info@ancurators.com


Exhibition at:
Kreuzberg Pavillon
Naunynstrasse 53
10999 Berlin


Kreuzberg Pavillon



With kind support of
the Rosa Luxemburg Stiftung.


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